Inside Prada

Es gibt Mode, und es gibt Prada. Wie kaum eine andere Marke hat es das Mailänder Label in den vergangenen zwanzig Jahren geschafft, sich als Luxuskonzern zu etablieren - und zugleich als Ideen- fabrik, die Mode etwa mit Kunst und Architektur verbindet. Im Zentrum und doch nahezu unsichtbar steht eine Frau: Miuccia Prada, die intellektuelle Firmenerbin, die aus dem Familienunternehmen ein weltumspannendes Über-Label gemacht hat. Wie sie das schaffte, davon berichtet nun eine Firmenchronik in Bildern. Wir erzählen die Geschichte dazu

von Ingeborg Harms , Fotos von Brigitte Lacombe

Man lernt viel von dem Geist, der in Prada steckt, wenn man das Hauptquartier des Mailänder Modehauses in der Via Bergamo besucht. Obwohl wir uns im Geschäftszentrum Italiens befinden, das man gern mit Sinnlichkeit und Dolce Vita assoziiert, ist Pradas Schaltzentrale spröde, nordisch streng und beinahe roh in ihrer architektonischen Anmutung. Die Pradas lieben die monumentale Leere, in der konzentriert gearbeitet wird und Experimenten nichts im Wege steht. In der Via Bergamo bietet sich das ideale Biotop für die Freiheit der Gedanken. Jede Kollektion beginnt an einem Nullpunkt, hält sich offen für das Neue und füllt für eine Saison die Hallen und Studios wie eine Fata Morgana, bis sie in die Archive und demnächst ins Prada-Museum abwandert und wieder etwas anderes, Neues beginnen kann. Das Prada-Hauptquartier ist ein praktischer think tank, die schmucklose Kulisse nicht nur für intensive Sitzungen, Interviews, Konzeptionsdebatten, sondern auch für die sinnlichen Prozesse, die mit jeder Kollektion verbunden sind. Hier werden die Stoffe gelagert, die Miuccia Prada in aller Welt aufkauft; hier werden die Modelle gesteckt, die Prototypen geschneidert, die Farbskalen festgelegt. Die Mailänder Adresse beherbergt das Prada-Gedächtnis und damit auch die Zukunft einer Design-Institution, die in der Mode zur unbestrittenen Avantgarde zählt.
Seit der Entzifferung des Genoms sprechen Modehäuser gern von ihrer DNS, doch oft ist es nichts als das Logo, das sich mit jedem neuen Artikel wie durch Zellteilung reproduziert. Marken, die wirklich eine Geschichte haben und den bewährten Satz ihrer Eigenheiten Jahr für Jahr kreativ variieren, sind selten, und die Kundschaft hält ihnen die Treue wie einem alten Freund. Unter diesen beseelten Marken ist Prada der Avatar, ein genetischer Code, der aus der Zukunft kommt: Sollte Prada ein biologisches Geheimnis haben, es hieße genetic engineering.
Denn es ist unmöglich, aus dem Luxuswarengeschäft, das Mario Prada 1913 in der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele gegründet hat, den Wirbelwind herzuleiten, mit dem seine Enkelin Miuccia seit 20 Jahren die Grenzen zwischen Kunst und Mode verwischt. Wenn etwas unter ihrer Regentschaft konstant geblieben ist, dann der unbeugsame Wille zur Veränderung und die rigorose Bereitschaft zu destabilisieren.
Um zu begreifen, was diese höhere Tochter mit der Mode anstellte, muss man sich in die siebziger Jahre zurückversetzen. Wie die meisten ihrer Altersgenossen wurde die 1949 geborene Miuccia vom politischen Delirium der 68er erfasst. Sie studierte Politik, machte ihren Doktor, engagierte sich in kommunistischen Gruppen und zog der Karriere als Unternehmenserbin zunächst das Pantomimenstudium beim Mailänder Regisseur Giorgio Strehler vor. Was immer an weltumwälzenden Forderungen auf den Flugblättern gestanden haben mag, die sie in ihrer Freizeit verteilte, die eigentliche Botschaft war Miuccia selbst: Mit dem typischen Stoizismus einer im Sternzeichen des Stiers Geborenen marschierte sie in Pariser Haute Couture zu ihren Parteiterminen. Mochten die Zeiten auch erfordern, dass man Mailands saturierte Gesellschaft vom Kopf auf die Füße stellte, so war das für sie noch lange kein Grund, auf Yves Saint Laurent und André Courrèges zu verzichten.

Es mag diese Sensibilität für reale weibliche Widersprüche gewesen sein, die Miuccia am Ende einlenken ließen. Als sie 1978 die mütterliche Firma für Reiseaccessoires und feine Lederwaren übernahm, zog der Geist der Subversion in Form von schwarzen Nylon-Taschen mit ihr ein. Sie hatte den wetterbeständigen Kunstfaden in den Armeebeständen der vorletzten Jahrhundertwende entdeckt und ließ die daraus entwickelten bauchigen Rucksäcke stur in die Regale stellen – obwohl die Kunden diese stoffgewordene Vorhut einer neuen, schnelleren und smarteren Welt jahrelang ignorierten. Doch als der Bombast des „Dallas“- und „Denver Clan“-Jahrzehnts den Rückzug antrat, schlich jener schwarze Rucksack, der noch heute jedem No-Logo-Aktivisten vor Neid die Blässe ins Gesicht treibt, sich auch ins Herz der Luxuskundschaft ein. Allerdings kam er als Trojaner. Denn der neue Nylon-Fetisch, dessen Attraktivität das Filofax-Fieber der achtziger Jahre noch übertraf, ließ den ganzen Rest der Garderobe mit einem Schlag patiniert aussehen.
Schon an diesem Punkt muss Miuccia Prada begriffen haben, welch ungeheuer effektive Waffe für die subtile Subversion aller Verhältnisse das Familienunternehmen ihr an die Hand gab. Nicht zufällig kam der Nylon-Werkstoff direkt aus Italiens futuristischer Epoche, jener Zeit, da man die Revolution noch nicht direkt in den Köpfen zünden, sondern durch die konsequente Innovation alltäglicher Gebrauchsgegenstände herbeiführen wollte. Die Prada-Mission begann sich abzuzeichnen: Das Haus würde zum stilistischen Stoßtrupp in die Zukunft werden; würde ideell und qualitativ jene Avantgarde-Rolle spielen, die einst Fiat und das italienische Produktdesign vorgemacht hatten; würde experimentell und hedonistisch, kompromisslos, überraschend und so widersprüchlich wie seine junge Besitzerin sein.
Diese hatte inzwischen den visionären Lederwarenproduzenten Patrizio Bertelli geheiratet und wurde von ihm zu ihrer ersten Prêt-à-porter-Kollektion gedrängt. Nach ein, zwei Pflichtübungen packte Miuccia der Ehrgeiz; wurde doch nichts Geringeres von ihr verlangt, als sich aktiv zu ihrer Passion Mode zu bekennen. Sie entschied sich anfangs für die strengen Nichtfarben Schwarz und Weiß, schuf militärische Jacken und maskuline Gabardine-Mäntel, schaffte die Schulterpolster ab, führte eine neue, knieumspielende Rocklänge ein, mixte Nylon mit Seide, renovierte Diors A-Linie, schnitt aus bestem Kamelhaar schlichte Shift-Kleider à la Jackie Kennedy und wurde so fast über Nacht zur Stilkoryphäe der internationalen Kunst- und Dekonstruktivistenszene. Dass der Prada-Schriftzug in den ersten, sibirisch kühl gehaltenen Annoncen denselben Frisson wie die Moskauer Parteipostille Prawda hervorrief, konnte der Dottoressa nur recht sein.
„Ich mache keine Kleider, ich bringe Gedanken zum Ausdruck“, ließ Miuccia Prada Mitte der neunziger Jahre wissen: „Ich versuche so viel Inhalt wie möglich in meine Arbeit zu stecken. Das Schwerste daran ist, dass ich dann davon abstrahieren und ein Zeichen daraus machen muss.“ Sätze wie diese sind nicht gerade typisch für einen Gebrauchsdesigner, aber sie klingen auch nicht mehr nach kommunistischen Pamphleten. In diesen Jahren entwickeln sich Prada und Bertelli zu einem Mäzenatenehepaar. Sie gründen die Fondazione Prada und stellen dort Künstler wie Louise Bourgeois, Anish Kapoor, Thomas Demand, Sam Taylor-Wood, Walter de Maria, Tobias Rehberger und Carsten Höller aus. Dan Flavins Lichtinstallationen inspirierten gar das neue Prada-Shopdesign.
Doch all das war nur das Hintergrundflimmern für eine weitere Metamorphose der Marke, in der die Kollektionen selbst zu zeitgeschichtlichen Statements, zu emanzipatorischen Provokationen, kurz: zu so etwas wie Kunstwerken wurden. Der Nylonfaden gibt den Weg in dieses unvermindert aktuelle Abenteuer vor, das für Miuccia mit ihren Stoffkreationen beginnt: „Ich wollte Frische und Einfachheit und eine markante industrielle Herangehensweise. Mir gefällt das Harte, Kraftvolle und Zeitgemäße daran. Die Strenge vermittelt ein Gefühl von Heutigkeit.“
Hatte man Synthetik bis zu diesem Zeitpunkt mit moderner Kleidung für die kleine Börse assoziiert, so schaffte Miuccia dieses Vorurteil durch aufregende Textilsynthesen aus der Welt. Sie scheute keine Kosten, um Glanz, Stabilität und Resistenz von Kunstfasern mit Seide, Organza, Wolle oder Chiffon zu verknüpfen, wirkte Federn, Holz, Koralle und Glas in ihre Kreationen ein. „In meinen Kollektionen“, erklärte sie 1995, „spielen die Stoffe die Rolle der Farben. Es ist schwer, in Farben modern und elegant zu sein. Die einzigen mir bekannten Frauen, die es schaffen, sind sehr sophisticated.“
Doch wie es sich für eine Designerin gehört, die sprechend denkt und denkend entwirft, hatte sie dies kaum gesagt, da explodierten schon die Farben in ihren Kollektionen. 1996 erweiterte sie ihre Palette um giftige Grün- und warme Brauntöne, Miuccia fügte Rauchblau, Rothko-Rot und Violett hinzu und machte im Handstreich „ugly prints“ mondän. Das waren Drucke, die man nur von Wachstuchtischdecken, Motel-Tapeten und Transitraststätten kannte; die eine befremdliche Welt ohne Klasse und Stil zitierten und die Desorientierung der Kundschaft noch verdoppelten, weil sie aus den coolsten Textilien und mit größter Handwerkssorgfalt gearbeitet waren.
Das Begleitfeuerwerk dazu bestand aus immer raffinierteren Tages- und Abendtaschen, unwiderstehlichen Pumps, Stilettos und Stiefeln; aus Materialinnovationen wie dem Prada-Lackleder und fetischistischen Details wie wollenen Lochstrickstrümpfen und zarter Wäsche mit Lippenstift- und Kussmundaufdruck. Die ausgebildete Theatermimin Miuccia jonglierte scheinbar mühelos ziemlich viele Bälle zugleich in der Luft. Doch unter all dem Zauber ging es ihr immer noch primär um Güte und Komfort. In den ersten Jahren raunten Eingeweihte einander zu, dass man den Wert eines Prada-Outfits erst begreifen könne, wenn man selber darin steckt, denn als Feministin und Mutter zweier Söhne sorgte Miuccia dafür, dass ein Kleid vor allem den taktilen Test der Trägerin bestand. Ihre Entwürfe waren für die moderne, vielbeschäftigte Frau – nicht für Augen von Männern, die in Rosa eingeschnürte Zuckerpuppen sehen wollten. Das wohlige Tragegefühl war geblieben, doch optisch begab auch Miuccia sich rechtzeitig zur Jahrhundertwende auf das Terrain der Blickfang-Artisten und schuf ein exzentrisches Museumsstück nach dem anderen. In der atemberaubenden Phantasmagorie der Mode, mit der das Mailänder Haus seither Saison für Saison die Erwartungen des Publikums erschüttert und übertrifft, fanden die Kundinnen keine weiblichen Archetypen, keine Sex-Bomben oder Femmes fatales. Stattdessen schenkte ihnen diese Mode neue Identitäten, Uniformen für die ungehobenen Möglichkeiten, die sie in sich spürten; vielfältig kombinierbare Einzelstücke, die so unvorhersehbar und herausfordernd waren wie die von allen Schablonen befreite und den Geschlechterkämpfen entronnene, ein wenig selbstverliebte, der Bohème zuneigende, selbständig denkende und finanziell unabhängige Frau des 21. Jahrhunderts.
Kaum jemand kam diesem neuen weiblichen Ideal so nahe wie Miuccia Prada selbst. Typisch an ihr ist nur, dass sie zu keinem Typ gehört. Sie ist herb und weich, schüchtern und bestimmt, immer ein wenig abwesend – wie eine, die ihre Umwelt auf mehr Frequenzen als der des höflichen Gesprächs wahrnimmt. Ihr Sinn für exquisiten Schmuck flüstert „alter Bürgeradel“, ihre Vorliebe für schräge Schuhe sagt laut und deutlich „Bohème“, und ihre Leidenschaft für weite, schwingende Röcke gibt zu verstehen, dass sie ihre Weiblichkeit gern bei jedem Schritt spürt. Miuccia Prada ist klein und poetisch, kein General, sondern eine Frau, die leise und ökonomisch regiert. Nichts ist der Herrin dieses Globalunternehmens so fremd wie eine selbstgefällige Attitüde. Ihre Autorität: Das sind die Gedanken und der Vorsprung, den sie mit ihren Visionen hält.
Um rechtzeitig der Langeweile zu entgehen, erfand sie die Linie Miu Miu und entwirft seit 1993 auch eine Herrenkollektion. Miu Miu trug zwar ihren Kosenamen, doch sie machte daraus ein Kunstprodukt. Miu Miu balancierte von Anfang an auf dem feinen Grad zwischen Mädchen und Frau, dort, wo die großen Träume wohnen und ungeschickt verwirklicht werden; wo man naiv verrucht und arglos erotisch sein kann; wo man mit dem Kleiderschrank der Großmutter, Flohmärkten und Grabbeltischware experimentiert, halb Cowgirl und halb Geisha ist und den Pyjama-Flaum noch nicht ganz abgelegt hat. Ende der neunziger Jahre tat Miuccia Prada sich mit dem intellektuellen Giganten Rem Koolhaas zusammen. Der Stararchitekt gestaltete ihre amerikanischen Flagship-Stores und gründete AMO, einen think tank, der vollauf damit beschäftigt war, Prada noch unberechenbarer zu machen. Gemeinsam heckten Koolhaas und Prada Kampagnen, Installationen und Happenings in den „Prada-Epicentern“ aus, wie man von nun an die Prestigestores in den großen Metropolen nannte. Das jüngste Projekt der Power-Allianz war der „Transformer“, ein architektonisches Unikum, das in Seoul Premiere hatte, dort mehrere Monate stand und sich in Intervallen von einer Galerie in ein Kino und in einen Laufsteg verwandeln ließ. Immer selbstbewusster setzte Miuccia auf Synergien mit Künstlern ihrer Wahl. Von Ridley Scott und seiner Tochter Jordan ließ sie den Werbefilm für ihr erstes Parfum in Berlin produzieren. Das poetische Ergebnis schreibt sich in die mythischen Orte des Kalten Krieges, der Bauhaus-Tradition und Klubkultur ein, saugt das brüchige Licht der Moderne auf und interpretiert den postkommunistischen Bilderbogen mit einem sehr weiblichen Blick.
Diesen setzt auch ein Film in Szene, den Prada gemeinsam mit dem Künstler Francesco Vezzoli produzierte. Darin geht es um Reality-TV in Form einer Dating-Show, in der ahnungslose junge Italiener mit Diven wie Cathérine Deneuve, Jeanne Moreau und Marianne Faithfull konfrontiert werden. Ein typischer Coup der Miuccia Prada, die als Feministin genießt, wie bei diesem soziologischen Experiment mit hochkarätigen Seniorinnen die Altersdifferenz dahinschmilzt: Synthetischer Kitsch, Konsum mit Brecht’schem V-Effekt, das ist auf und neben dem Laufsteg eine Spezialität des Hauses. Mit ihrem sieben Sinn für die nächste heiße Szene hat Miuccia ihre vom britischen Jugendstil inspirierte Kollektion vor zwei Jahren durch ein Zeichentrickmärchen portraitieren und ihre spektakuläre Schweizer Klöppelspitzenmode vom Herbst 2008 in einem Animationsfilm interpretieren lassen. Das Kollektionsdefilee selbst fand auf schwindelerregenden Rampen in einem verdunkelten Saal statt, der Piranesis Kerker der Einbildungskraft hätte entstammen können.
Doch die Kollektion hielt der dramatischen Kulisse mühelos stand. Ein St. Gallener Stickereibetrieb arbeitete Tag und Nacht, um rechtzeitig viele tausend Meter teuerster Guipure zu liefern, der altmodischsten unter den Spitzen, die einst auch der große Balenciaga aus St. Gallen bezogen hatte. Miuccia Prada verarbeitete sie zu hochgeschlossenen Kleidern mit schmaler Silhouette und setzte sich darin nach eigenem Bekunden mit der italienischen Witwentracht auseinander. Ihr mondänes Publikum allerdings assoziierte die schwarze Pracht in erster Linie mit klassischen Reizwäschekreationen. Das war nicht ganz falsch, und darin lag der tiefgründige Witz der Kollektion: Unter Guipure- und Spachtelspitze trugen die Models hautfarbene Stretchleibchen, halb Weltraumuniform, halb urgroßmütterliches Korsagenrelikt, aus genau dem engmaschigen Material, mit dem die Nylon-Dottoressa die Modeszene einst im Sturm erobert hatte. Besonders auf einem Catwalk im Berlusconi-Land war Miuccias Idee entwaffnend, Außen und Innen einfach umzudrehen. Statt des schwülen Sex-Appeals der tiefen Dekolleté-Blicke servierte sie eine durchbrochene Durchsicht auf Gesundheitswäsche. Wenn eine Prada-Frau Sehnsuchtsblicke provoziert, schien sie zu sagen, dann ist ihr Geheimnis die Vernunft, sich im Winter warm anzuziehen: Es gibt keine Männerfantasie unter der Schale, meine Mode ist die selbstbewusste Hommage an Tradition und alte Handwerkskunst; und ein wenig Trauer über den verlorenen Respekt vor dem Stolz der Frau steckt am Ende auch in diesen Visconti-Kleidern.
Wie kaum eine andere brachte diese Kollektion das Prada-Prinzip auf den Punkt. Nostalgie und Avantgarde, Strenge und Sensibilität, Witz und Handwerk gingen eine Synthese ein, die sich so schockierend intim wie ein Déjà-vu aus der Zukunft anfühlte. Um kreativ nicht an praktische Grenzen zu stoßen, haben Prada und Bertelli zahlreiche alteingesessene Fabriken rund um Florenz aufgekauft, in denen Webstühle noch Techniken meistern, von denen man anderswo nicht einmal mehr träumt. Um das italienische Know-how zu retten, stellt Bertelli gerne alte Arbeiter ein, und Miuccia Prada sichert sich die Lager schließender Stoffmanufakturen. Beide wissen, dass die Hochachtung vor der Vergangenheit erst den Reichtum verschafft, aus dem das Neue sich entwickeln kann. Und gerade weil sie leidenschaftlich in der Geschichte stöbern, ist Prada seit 20 Jahren der Name, der in der Mode für den Geist von morgen steht.

Datum:Ausgabe No. 5

Diesen Artikel kommentieren